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Rosengartengruppe – Literatur

Sehen wir von den vielen Aufsätzen und Notizen ab, die einzelne Bergsteiger über ihre Besteigungen der einzelnen Gipfel und Türme der Rosengartengruppe veröffentlicht haben, so finden wir in der alpinen Literatur wenig, das uns beim Verfassen einer Monographie von Nutzen ist. So zum Beispiel schrieb Dr. Bruno Wagner seine Arbeit viel zu früh, als dass sie für uns von großem Werte sein könnte. Einen recht wertlosen, kleinen Aufsatz veröffentlichte Don Luigi Baroldi, ehemals Curat in Perra, im Annuario 1882— 1883 der »Societá degli Alpinisti Tridentini, Seite 247. Als Curat in Perra hatte er gewiss Gelegenheit, mit Bauern und Jägern umzugehen und von diesen die Bergnamen zu hören, welche er anführt. Es ist aber deshalb leicht erklärlich, dass sich sein Auge auf Erhebungen richtete, welche wohl den Bauern und Jägern von Interesse sein mögen, aber mit welchen sich der Alpinist in der Regel nicht befasst, — denn manche der von dem geistlichen Herrn genannten Höhen zu besteigen, würde wohl dem fleißigsten Gipfelstürmer nicht einfallen, wenn er nicht gerade zufällig und unbewusst über dieselben hinwegbummelte. Er nennt aber diese kleinen Punkte in einem Atem mit der Rosengartenspitze, als ob sie wirklich wichtige Gipfel wären, die unzweifelhaft zu seinen topographischen Beobachtungen gehörten. So spricht er vom Colle di Barbolada. Herr Merzbacher konnte denselben nicht finden. Das ist nicht merkwürdig, denn er ist bloß der kleine Grasbuckel südöstlich von der Rosengartenspitze, 2353 m hoch, also eine ganz bescheidene Erhebung. Baroldi erwähnt weiter die Cime del Curaton. Auch diese fand Herr Merzbacher nicht. Aber dennoch zweigen sie gegen Nordosten von den Mugoni ab. Sie sind ein kleiner Felskamm, der aus dem ihn umgebenden Grase einige Meter hervorlugt und die bescheidene Höhe von 2289 m erreicht. Was Herr Baroldi von den bedeutenderen Spitzen und ihren Namen erzählt, ist vielfach falsch. Sie hatten wohl für seine Bauern und Jäger kein Interesse, da sie niemals Weide und selten Wild bieten. Aber ganz so falsch, wie Herr Merzbacher annimmt, sind Don Luigi Baroldi’s Anmerkungen doch nicht. So zum Beispiel nennt Don Luigi Baroldi nicht, wie Herr Merzbacher meint, den Molignon Polenton, sondern er sagt ausdrücklich : »Südöstlich vom See (dem Antermojasee) ist das kleine Antermojatal und dann ein isolierter Punkt, Polenton genannt…… Ist diese Beschreibung auch etwas unbehilflich, so ist es doch nicht begreiflich, wie Herr Merzbacher sie missverstehen konnte, denn vom Antermojasee aus liegt ja der Molignon nordwestlich, also in entgegengesetzter Richtung vom Polenton. Herr Merzbacher hat also die Bemerkung Baroldi’s ganz falsch verstanden. Seite 248 seines Aufsatzes schreibt Don Luigi Baroldi: »Vorübergehend bemerke ich, dass der Name Rotwand tatsächlich im Fassatale unbekannt ist, und dass, wenn man einen Fassaner Bauern fragte, welches die Rothwand sei, dieser fähig wäre, als solche den Monte Rocca oder die Punta d’Alloc zu bezeichnen. « Herr Merzbacher schreibt aber Seite 376 seiner Monographie: »Vom Caressapass wird behauptet (von Don Luigi Baroldi), dass man in Vigo diese Bezeichnung nicht kenne, ebenso wenig wie Rote Wand, mit welchem Namen man den Monte Rocca oder die Punta Allochet im Monzonitale bezeichne.« Hier hat also Herrn Merzbacher sein Italienisch im Stiche gelassen und ihn dazu gebracht, dem werten Don Luigi Baroldi etwas in den Mund zu legen, das derselbe nie geäußert hat. Übrigens ist der letztere auch im Kartenlesen nicht recht zu Hause, worauf manche seiner Bemerkungen deuten. Topographischen Wert hat seine Arbeit eben durchaus nicht.

Im Jahrgange 1884 der »Zeitschrift« veröffentlichte Herr G. Merzbacher seine Arbeit: “Zur Topographie der Rosengartengruppe«. Manches, das bisher unrichtig beschrieben worden war, beschreibt er ganz richtig und macht auf manchen Fehler aufmerksam, den seine Vorgänger in der Nomenklatur gemacht haben. Ich habe die Arbeit schon im Eingange erwähnt und werde bei der Beschreibung der einzelnen Gipfel und Pässe noch oft auf dieselbe zurückzukommen haben. Es fällt in dem Aufsatze auf, dass der Verfasser mit den schon vorhandenen Namen nicht immer zufrieden ist und daher neue erfindet — wohl mit Hilfe des Herrn Johann Santner, der, nebenbei gesagt, die Gruppe des Rosengartens, mit Ausnahme der Dirupi di Larsec, sehr genau kennt, aber gegen alles Italienische unüberwindliche Abscheu zu empfinden scheint. So wird nun zum ersten Male der Name Tscheinerspitze gesehen, welcher einen Gipfel bezeichnet, der seit langen Zeiten Cima della Sforcella (oder Forcella) heißt. Die Bezeichnung Tschaminspitzen hat sich auch erst seit Herrn Merzbacher’s Aufsatz bei Alpinisten eingebürgert, während die so bezeichneten Gipfel wohl ehemals Mola genannt wurden; der Messnerpass macht zum ersten Male dem Publikum im neuen Gewande seine Verbeugung — aber er ist, wenn mit der so überschriebenen Einsenkung auf Compton’s Westansicht der Rosengartengruppe, Zeitschrift 1884, identisch, — seit langer Zeit als Forca di Davoi bekannt und wurde als solche wohl schon seit ein paar Jahrhunderten als Übergang von Fassa nach Tiers und überhaupt nach dem Westen benützt. Er ist wahrscheinlich der am längsten bekannte Pass innerhalb der Rosengartengruppe.

Eine sehr tüchtige, wenn auch einseitige Arbeit, ist die im Jahrgange 1885 des »Annuario della Sociétá degli Alpinisti Tridentini« erschienene, verfasst von den Herren Dr. Carlo Gambillo, Dr. Carlo Candelpergher und Antonio Tambosi. Sie ist die einzige, welche bisher verlässlichen Aufschluss über die Nomenklatur der Rosengartengruppe gegeben hat, und wurde hauptsächlich unternommen, um zu untersuchen, inwiefern Herrn Merzbacher’s scharfer Tadel der Baroldi’schen Notizen gerechtfertigt war. Einseitig ist die Arbeit schon deshalb , weil die genannten Herren mit ihren Freunden, Führern und Trägern (nach ihrem Itinerarium zu urteilen) nicht ein einziges Mal die Spina dorsalis der Rosengartengruppe überschritten. Deshalb entging denselben wohl auch so Manches. Ihre dem Aufsatze beigegebene Karte, die im ganzen genommen sehr nützlich ist, beweist dies recht deutlich. Auch sie nehmen auf ihr dem armen König Laurin die Trümmer seines Gartens, seine Wand und die Sattelspitzen existieren nicht , ebenso wenig die Grasleitenspitzen, der heute als Seekogel bekannte Gipfel zwischen Kesselkogel und Antermojakogel ist ihnen gänzlich unbekannt. Auch sonst weist die Karte manchen Fehler auf. In den Dirupi di Larsec setzen sie die Socorda und Cima del Mezzodi in den Hauptkamm, während dieselben sich tatsächlich von diesem nach Süden ablösen, und so weiter. Ihre Beobachtungen sind meistenteils richtig, und wenn ich diesen in dem gegenwärtigen Artikel nicht immer volle Geltung lassen kann, so ist dies oft, weil manche neuerfundenen Namen, die unsere Tridentiner Alpinisten verwerfen möchten, schon so eingebürgert sind, dass es wahrscheinlich unmöglich wäre, die beinahe gänzlich vergessenen älteren Namen wieder einzuführen. Dies gilt z. B. vom Grasleitenpass, den sie wieder allgemein Sella del Principe genannt wissen wollen, vom Antermojakogel, der ehemals Croda dei Cirmei geheißen zu haben scheint, von der Fallwand, die einstens Croda del Lago getauft war.

Die jüngste Arbeit über unsere Gruppe ist von Dr. Ludwig Darmstädter’s Feder und erschien als Teil der »Erschließung der Ostalpen«, Band III, Seite 380. Diese Arbeit ist außerordentlich kurz ausgefallen und knapp gehalten, und so ist denn auch der Stoff, den der Verfasser seinen Lesern bietet, etwas dürftig, und dabei ganz kritiklos. Darmstädter folgt im Allgemeinen der Merzbacher’schen Nomenklatur, ohne irgendwie dazu beizutragen, deren Ungenauigkeiten bloßzulegen, und gibt manchen Spitzen Namen, ohne auf ihren Ursprung zurückzukommen, so z. B. nennt er die Pala delle Fermade in dem Dirupi di Larsecbogen ohne weiteres Pala delle Tre Cime, und den Gran Cront im gleichen Zuge Cima di Larsec.

Beschreibungen der Anstiege auf die verschiedenen Gipfel der Rosengartengruppe finden sich in allen alpinen Zeitschriften und werden, je nach Bedarf, in dem touristischen Teile dieser Monographie Erwähnung und Würdigung finden.

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Comments (8)

  • Bergfreunde

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    Rosengartengruppe – Literatur…

    Ich finde ihren Eintrag sehr informativ…

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  • Bergfreunde

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    Teufelswandspitz – Rotwand – Tscheinerspitze – Gipfel und Pässe – Rosengartengruppe…

    Ich finde ihren Eintrag sehr informativ…

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  • Bergfreunde

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    Cime delle Coronelle – Gipfel und Pässe – Rosengartengruppe…

    Ich finde ihren Eintrag sehr informativ…

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  • Bergfreunde

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    Rosengartengruppe – Täler – Bäche und Seen…

    Ich finde ihren Eintrag sehr informativ…

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  • Bergfreunde

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    Südliche Rosengartengruppe – Catinaccio – Karerseepass – Dolomiten – Dolomiti…

    Ich finde ihren Eintrag sehr informativ…

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  • Bergfreunde

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    Rosengartengruppe – Der zentrale Teil – Catinaccio – Vajolettürme – Torri del Vajolet…

    Ich finde ihren Eintrag sehr informativ…

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  • Bergfreunde

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    Rosengartengruppe Dolomiten – Ersteigungen – Die Laurinswand 2813 m – Cima Catinaccio…

    Ich finde ihren Eintrag sehr informativ…

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  • Dolomiten

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    Die Rosengartengruppe – Der Grasleitenpass – Das Kesselkogelmassiv – Dolomiten…

    ich finde ihren eintrag informativ, danke :)

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